... Ein Augenblick der Freude, eine Zeit der Angst, das Ergebnis des Jahrgangs …

Weinlese

Die Entlohnung für ein Jahr Weinbergsarbeit, eine Gabe von Mutter Natur, ein Geschenk des Himmels und Frucht harter Anstrengung : Zwölf Monate Arbeit, vier Jahreszeiten und am Schluss diese Trauben, denen wir so viel Aufmerksamkeit schenken und die in kleinen Kisten ihren Weg in den Keller antreten.

Die Weinlese ist schön. Bei uns ist das Ende des Sommers nah, aber es ist noch nicht Herbst. Die Nachmittage sind noch warm, manchmal zu warm zum Lesen, aber der Morgen ist schon kühl. An so manchem Morgen überzieht der Tau Trauben und Blätter.

Wir ernten vom 20. August bis zum 20. September. Sieben Sorten müssen gelesen werden, jede im optimalen Reifezustand, das bereitet manches Kopfzerbrechen. Zuerst, Anfang August, die weißen, dann die roten Sorten und zum Schluss den Carignan und den Mourvèdre. Wir lesen in Kistchen zu 13 kg, um das Lesegut zu schonen.

Direktpressung bei den Weißen, dann wird der Most gekühlt, bevor er in die Barriques wandert. Bei den roten Trauben geht die Lese mit einer strengen Selektion im Weinberg oder im Keller einher, um nur die Beeren einzumaischen, die sich dafür eignen, elegante, feine und ausgewogene Weine zu erzeugen. Das ist ein ganz wichtiger Schritt für die Finesse.

Wir haben das Glück, nur mit alten Rebanlagen zu arbeiten, die uns eine Qualität liefern, die sich der größten Weine für würdig erweist. Die Arbeit im Keller ist dann nur noch anpassend, begleitend.

Die ganze Qualität steckt schon in den Trauben.

Die Weinbergsarbeit entscheidet zu 80% über die Endqualität.

Die Weinlese ist auch ein Fest. Die Studenten kommen, die Neffen, die Nachbarn, Freunde und Freundinnen.

In allen Ländern, gleich welcher Farbe, ist die Lese ein Schrei, der aus dem Inneren kommt.

Ich habe letztes Jahr meine 18. Lese gemacht, die letzten sechs davon für mich, viele Erinnerungen, viele Begegnungen.

Technisch gesehen ist es erschöpfend, physisch hart und an manchen Tagen erreicht die Spannung ihren Höhepunkt. Ich habe das Glück, mit kompetenten und gründlichen Leuten zusammenzuarbeiten. Ein Weinbaubetrieb ist eine Mannschaft, das Weingut läuft nicht nur durch mich alleine. Die Summe der Fähigkeiten bewirkt, ob das Rad sich dreht oder nicht. Der Wein ist ein Ganzes, und die Stimmung während der Weinlese hat Anteil an der Weinqualität.